Alles eine Frage der Perspektive?

Von der Kunst aneinander vorbei zu reden: Die alltäglichen Probleme der Kommunikation in transdisziplinären Projekten

Von Kamila Szwejk

This blogpost is part of a transdisziplinary student project in the region of Oldenburg tought by Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

Dieser Blogpost ist Teil des Studentenprojektes Transdisziplinäres Projekt: Landkreis Oldenburg im Master Nachhaltigkeit. Lehrende: Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

In transdisziplinären Projekten, ist es für den Erfolg essentiell, dass Praxispartner und Forschungsteam, auf der Basis eines konstanten Austausches, eng miteinander verflochten sind (Jahn 2008, S. 27). Nur wenn sie gemeinsam an einem Strang ziehen, können sie das Projekt meistern. Aber was passiert, wenn sie aneinander vorbei reden? Was, wenn beide Seiten nicht mit demselben Vokabular arbeiten? Wenn die Praxispartner eine Sechs sehen, das Forschungsteam aber eine Neun?

Fig. 1
Abbildung 1: Sechs oder Neun.

Dieser Blog Beitrag beschäftigt sich mit der Problematik der Kommunikation in transdisziplinären Projekten. Natürlich können Kommunikationsprobleme auch bei den einzelnen Praxispartnern oder innerhalb des Forschungsteams auftreten. Der Schwerpunkt des Blogs liegt jedoch auf der Kommunikation zwischen den Praxispartnern und dem Forschungsteam. Die hier genannten Lösungsvorschläge können selbstverständlich auch darüber hinaus auf andere Bereiche der Kommunikation übertragen werden.

1. Schritt: Offen für Neues sein!

In transdisziplinären Projekten ist das oberste Prinzip offen und aufgeschlossen aufeinander zuzugehen (Pohl, Hirsch Hardorn 2006, S. 18). Schwierigkeiten können hierbei vor allem im Bereich der Begrifflichkeit, der Fragestellung oder der Methodenwahl auftauchen, oder aber aus gegenseitigen Vorurteilen bestehen, die zunächst gelöst werden müssen (Defila, Di Guilio, Scheuermann 2006, S. 219).

Was können die Beteiligten tun?
Je nach Praxispartner liegt der Fokus eher auf einer lösungsorientierten und wirtschaftlich ausgelegten Teilnahme an dem Projekt. Das Ziel besteht darin, den Status Quo zu verbessern und von dem Projekt zu profitieren. Ist die Zusammenarbeit mit einem Forschungsteam neu und ungewohnt, sind viele Aspekte für die Praxispartner mitunter nicht intuitiv verständlich. Unterschiedlichkeiten in den Vorgehensweisen, Arbeitsabläufen und der Verwendung von Fachbegriffen, führen regelmäßig zu Verwirrung und Missverständnissen. Hierbei entsteht oftmals die Situation, dass der Versuch Sachverhalte durch die Verwendung von Fachbegriffen aus dem jeweiligen Forschungsbereich zu verdeutlichen, den genau gegenteiligen Effekt hat und noch mehr Unklarheit erzeugt. Nur wenn sich alle Partner verstehen und mit den gleichen Worten arbeiten, können sie effektiv zusammenarbeiten. Die einfachste Lösung kommt hierbei vollkommen ohne Banalität aus: Offene Kommunikation.
Respektvoller Umgang miteinander, der auf Basis einer offenen Kommunikation stattfindet, ist eine grundlegende Voraussetzung um Ergebnisse erarbeiten zu können. Auf dieser Basis erwächst ein Vertrauensverhältnis zwischen den Projektpartnern, welches es erlaubt auch Fragen zu artikulieren, die das eigene Unverständnis betreffen und somit Unklarheiten von Beginn an auszuräumen. Dabei sollte sich der Praxispartner immer als Experte sehen, der mit dem Forschungsteam etwas verändern will und, dass  beide mit- und nicht gegeneinander arbeiten. Gerade in der Anfangszeit eines Projektes bedarf es einiger Anstrengung, sich auf gemeinsame Begriffe zu einigen und diese Bemühungen sollten auf beiden Seiten von dem Bewusstsein gestützt werden, dass der Partner zugewandt und wohlwollend handelt.
So können auftretende Missverständnisse gleich durch Nachfragen ausgeräumt werden, was eine Basis für eine effektive Zusammenarbeit schafft.

Während der Praxispartner also beispielsweise bei der Verwendung vieler Fremdworte nicht von einer „akademischen Arroganz“ des Forschungsteams ausgehen sollte, muss auch dieses im Gegenzug bereit sein, offen zu kommunizieren und sich gegebenenfalls anzupassen. Sie müssen sich bewusst machen, dass ihre Praxispartner andere primäre Verpflichtungen haben und sie sich eventuell weniger mit dem Projekt beschäftigen als das Forschungsteam selbst. Damit muss das Forschungsteam akzeptieren, dass die Praxispartner einen anderen Wissensstand aufweisen, der zunächst angeglichen werden muss. Folglich ist es die Aufgabe des  Forschungsteams eine allgemein verständliche Sprache anzustreben, damit alle Beteiligten richtig verstanden werden.

2. Schritt: Atmen, denken, reden!

Drei einfache Worte: „Atmen, denken, reden!“. Unabhängig davon, ob es sich um den Praxispartner oder ein Mitglied des Forschungsteam handelt, ist es für alle Beteiligten hilfreich, wenn Gedanken erst strukturiert werden, bevor man sie anderen vorgestellt. Übrigens ein hervorragender Rat in fast allen Lebenslagen. Dabei hilft es erst tief durchzuatmen, noch einmal alles zu überdenken und dann erst das Wort an seinen Gegenüber zu richten. Einige Beispiele können aus der hier folgenden Tabelle entnommen und in Gruppengesprächen angewendet werden. Ziel ist es ein funktionales Gesprächsverhalten (Blanckenburg, Böhm, Dienel, Gegewie 2005, S. 149) zu etablieren.
Also Gesprächsverhalten, das darauf abzielt vorzeitig Konflikte zwischen den Personen zu vermeiden und gleichzeitig die Diskussion zu fördern.

Tabelle 1: Funktionales Gesprächsverhalten. (Blanckenburg, Böhm, Dienel, Legewie 2005, S. 149)

Funktionales Gesprächsverhalten

Was tun?

Auf Vorredner in deren Sinn Bezug nehmen. Fassen Sie kurz zusammen, was der andere gesagt hat und was er will, bevor Sie zu den eigenen Positionen und Argumenten kommen. Vermeiden Sie, Erwiderungen im Kopf zu verfertigen, während andere noch sprechen.
Weitere Informationen nachfragen. Bitten Sie darum, weitere Informationen zu unklaren Aspekten, Argumenten oder Positionen zu bekommen. Fragen Sie ggf. nach weiteren Informationen.
Voraussetzungen für die Zustimmung
zu strittigen Positionen klären.
Thematisieren Sie Bedingungen und Voraussetzungen, unter denen Sie oder Ihre Gesprächspartner konträren Positionen zustimmen können.
Positionen weiterentwickeln. Diskutieren Sie darüber, was mittel- und langfristig passiert, wenn Entscheidungen in der einen oder anderen Weise getroffen werden.
Konträre Positionen anerkennen. Eine andere Meinung anzuerkennen, heißt nicht, dass man ihr zustimmt. Sie signalisiert aber, dass unterschiedliche Sichtweisen und Positionen, Ziele akzeptiert werden.
Gefühle akzeptieren und ansprechen. Sprechen Sie es an, wenn in der Gruppe  “die Luft brennt” oder die “Atmosphäre gefriert”. Nehmen Sie Bezug auf emotionale Reaktionen einzelner, z.B. “Ich sehe, dass Sie sehr wütend sind.”

 3. Schritt: Gemeinsame Ziele definieren

Nachdem zunächst die Grundlage für ein offenes Miteinander geschaffen und anschließend ein positives und produktives Gesprächsverhalten geschaffen wurde, ist es im Folgenden wichtig, die gemeinsamen Ziele zu besprechen. In der Literatur wird dieser Punkt als besonders bedeutsam erachtet, da sich damit zukünftige Konflikte vermeiden lassen. Dabei sollten die Ziele im Vorfeld transparent gemacht und zwischen den Projektpartnern abgeglichen werden (Schophaus, Schön, Dienel 2004, S. 96). Die Ziele der einzelnen Parteien können sich überschneiden oder aber voneinander unterscheiden. Wo die Wissenschaft eher bemüht ist, mit ihren Forschungsergebnissen eine Auskunft zu erteilen, streben Praxispartner oftmals nach Erfüllung der von ihnen selbst definierten Zielen unterschiedlichster Ausrichtung (Mogalle 2001, S. 19). Das „zu lösende Ziel“ wird damit in der Praxis zumeist von Seiten der Praxispartner vorgeschlagen (ebd.).

Schlagen wir nun den Bogen zu der Illustration, die wir zu Beginn dieses Beitrages verwendet haben. Ausgehend von der jeweiligen Perspektive kann sich eine Situation vollkommen unterschiedlich darstellen: Handelt es sich also um eine „Sechs“ oder eine „Neun“?
In transdisziplinären Projekten ist es wichtig, erst einmal verschiedene Möglichkeiten zu betrachten, diese zu respektieren und sich auf den Blickwinkel seines Gegenübers einzulassen.
Ein Blickwinkel und die damit verbundenen Meinungen und Lösungsideen sind nicht per se richtig oder falsch. Manchmal kann es helfen ein wenig zurück zu treten und sich einfach darauf zu einigen, dass es sich um eine liegende Zahl handelt – und sich dann gemeinsam zu fragen, wie man sie nun in das bestehende Projekt einbinden kann.

Für die Studierenden des Projektes im Landkreis Oldenburg hat dies zur Folge, dass sie sich  mit der Kommunikation und dem Umgang mit ihren Praxispartnern stark auseinander setzen müssen. Dies dient besonders der Konfliktprävention und für den erfolgreichen Abschluss des Projektseminars.
(Der Autorin ist bewusst, dass das Thema nicht nur auf „drei Schritte“ zu reduzieren ist. Diese drei Schritte bieten jedoch eine Basis für vorteilhafte Kommunikation in Transdisziplinären Projekten und können/müssen erweitert werden.)

 

 Literatur:
Blanckenburg C.v., Böhm, B., Dienel, H., Legewie, H. (2005): Leitfaden für interdisziplinäre Forschungsgruppen: Projekt initiieren – Zusammenarbeit gestalten. Kooperationsmanagement. Blickwechsel. Franz Steiner Verlag, Berlin.

Defila, R., Di Giulio, A., Scheuermann, M. (2006): Forschungsverbundmanagement. Handbuch für die Gestaltung inter- und transdisziplinärer Projekte. Vdf Hochschulverlag AG, Zürich.

Jahn, T. (2008): Transdisziplinarität in der Forschungspraxis. In: Bergmann, M., Schramm, E., Transdisziplinäre Forschung. Integrative Forschungsprozesse verstehen und bewerten. Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main.

Mogalle, M. (2001): Management transdisziplinärer Forschungsprozesse. Birkhäuser Verlag, Basel.

Pohl, C., Hirsch Hadorn, G. (2006): Gestaltungsprinzipien für die transdisziplinäre Forschung. Ein Beitrag des td-net. Ökom Verlag, München.

Schophaus, M., Schön, S., Dienel, H. (2004): Transdisziplinäres Kooperationsmanagement. Neue Wege in der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Ökom Verlag, München.

Bild Quelle: Sechs oder Neun.
URL: https://www.pinterest.de/pin/135882113729004779/ (zuletzt aufgerufen am 14.08.2017)
(Ursprungskünstler konnte nicht ausgemacht werden)

Hidden indicators for a landscape under stress

By Maraja Riechers

Sometimes the landscapes around us change faster than we think. Be it through rural flight and urbanization, industrialization of villages or agriculture, land grabbing or degradation of nature, the landscapes we live in are changing gradually or rapidly.

In some areas, fast landscape changes outpaces our ability to adjust and leaves us grappling with our sense of place of the landscapes we used to know. In some areas, it may be hard to pin point what changed exactly but we cannot help but feel alienated in a subconscious way. Inhabitants of such changing landscapes might feel disempowered as their own ability to influence landscape changes diminishes in this increasingly complex system. These and many more factors might lead to inhabitant’s having different understandings about the challenges and contrasts of that landscape. When a system is difficult to understand, it can become easy to blame actors that one deems to be responsible, or focus on changes that are very visible instead of those behind the curtains.

In one of those changing landscapes I was happy to conduct my research. I actively chose this landscape as it has experienced a relatively rapid change in the last 30 years. Even though I identified some challenges through my research there are some aspects that I uncovered that cannot be translated into concrete results or articles. The landscape changes in the region created tension that was difficult to grasp. But I could see hidden indicators that clearly pointed to a conflicting situation in the region. Yet to see and understand those indicators I had to read between the lines, pay close attention to communications (verbal and non-verbal before and after the interviews): All rather hard to grasp with the usual methods of social science research. Let me give you an example: On my question if they would be available for interviews, I got e-mail answers that read like a harsh statement on why researchers are no longer trusted. They claimed that they would anyway be blamed as the bad guys in the end and that I might take a normative stand point “against them” in my final results. It took me a while to get access to the quite separated group of actors of the regions and often needed the help of some trusted key players that opened the way for me in.

When they finally trusted me enough to talk to me I often found out that they thoroughly researched me beforehand. “You did your PhD at the Agricultural Faculty of the University of Göttingen. That is a rather conservative faculty, right? In which group did you study there?” I have been inquired about my normative stands on nature conservation or the influence of agriculture on nature or intensive agriculture in general. I had to constantly justify and explain myself to conservationists and farmers alike, to highlight my neutrality – or better, my being on “their side”. In another case my colleague and I had to change the location of a joint transdisciplinary workshop because some of the participants would have cancelled their attendance due to the political and nature conservation attitudes of the owner of the workshops location.

On other instances, I was happily welcomed as a conversational partner. “Finally” someone listened to their complaints, which they felt were just not heard (or they felt misunderstood). One interviewee prepared three full computer written pages of bullet points about problems he sees around him with regard to social-ecological landscape changes. It was an easy interview, as it started with a 45 minute monologue (all very fitting and informing for my research).

Such hidden indicators cannot be translated into direct research results but clearly influence the way I had to communicate with people and proceed in collecting my data. It required utter awareness and a careful approach towards topics and values in the interviews. In many moments, when interviewees made statements on topics they felt were controversial I was carefully scrutinized for every single indicator that would convey my opinion. For me it is important to establish trust and show respect towards my interview partners. Otherwise I am quite sure I would not have been able to get honest statements. I experienced that the first few minutes of the interviews were crucial to establish this trust. This research situation was one of those clear cases on how I as a researcher with my personal history (me as a German, blond, young female university employee with a PhD, from a little German village and a farmer in the family) has an effect on my data collection. I consider this reflexivity and the acknowledgement of my own role and influence on my research process quite important.

Landscape changes can influence us subconsciously in many ways. Some of the changes are visible to us, some only through comparison on how it was some decades ago. In some cases, landscape changes might lead to a loss of sense of place or connection to the landscape. In other cases we as researchers can only guess some of the effects landscape changes have to the residents and actor groups within it. Many of the implications of the changes, such as emerging conflicts, are hard to measure as they require reading between the lines. For me it meant to be care- and respectful, rely on my honesty and sensitivity and skillfully navigate towards emotional topics and contrasting viewpoints.

Zum Verhältnis von Theorie und Praxis

Vom Leitbild deutscher Naturparke und der Naturparkarbeit in der Wildeshauser Geest

Von Lisa Eberhardt

This blogpost is part of a transdisziplinary student project in the region of Oldenburg tought by Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

Dieser Blogpost ist Teil des Studentenprojektes Transdisziplinäres Projekt: Landkreis Oldenburg im Master Nachhaltigkeit. Lehrende: Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

Das einjährige transdisziplinäre Forschungsprojekt ist eines der Kernstücke des Masterstudiengangs Nachhaltigkeitswissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg. Dieses Projekt war ein entscheidender Faktor, warum ich mich für dieses Studium entschieden habe. Um sich den Herausforderungen im Kontext von Nachhaltigkeit zu stellen und eine Transformation voranzutreiben, reicht es nicht aus, im universitären Kontext zu verbleiben. Ich denke, dass der interdisziplinäre Charakter – die Tatsache, dass unser Studiengang eine Vielzahl von Disziplinen vereint – von enormer Bedeutung ist. Die Nachhaltigkeitsthematik ist sehr komplex und vielschichtig, wodurch es einer Zusammenarbeit vieler verschiedener Perspektiven benötigt, um die Herausforderungen bewältigen zu können. Dennoch reicht Interdisziplinarität nicht aus. Wir müssen aus dem akademischen Kontext heraustreten und uns in Zusammenarbeit mit Praxisakteuren den Themen und Problemen im Kontext der Nachhaltigkeit stellen.

Das Leitbild deutscher Naturparke
Im Mittelpunkt unseres Forschungsprojektes steht der Naturpark Wildeshauser Geest. Als ich mich für das Projekt entschieden habe, habe ich festgestellt, dass ich selbst gar nicht genau wusste, was ein Naturpark überhaupt ist. Den meisten meiner Kommiliton*innen ging es genauso. Daher haben wir uns zunächst über den Naturpark Wildeshauser Geest, aber auch über Naturparke in Deutschland allgemein informiert. Hierzu haben wir vor allem die Internetseite des Verbands Deutscher Naturparke (www.naturparke.de) genutzt. Diese Seite bietet einen guten Überblick über die Geschichte, Aufgaben und Ziele von Naturparken und stellt eine Vielzahl von Informationen bereit. Als ich die Texte zum Leitbild und den Aufgabenbereichen deutscher Naturparke gelesen habe, war mein erster Gedanke: Das klingt unglaublich umfangreich und komplex – ist das realistisch? Naturparke werden als „Vorbildlandschaften“ einer nachhaltigen Entwicklung bezeichnet und sollen die Bereiche Naturschutz, Erholungsvorsorge, umwelt- und naturverträgliche Landnutzung, und Wirtschaftsentwicklung zusammenführen und zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung beitragen (VDN 2017). Diese theoretische Beschreibung der Naturparkarbeit mag auf den ersten Blick schlüssig wirken, jedoch stellt sich die Frage, inwieweit diese Theorie mit der tatsächlichen Naturparkarbeit übereinstimmt?

Als wir uns mit wissenschaftlichen Texten zum Thema Naturparke auseinandergesetzt haben, wurde schnell deutlich: Insbesondere mit Blick auf das Handlungsfeld der nachhaltigen Regionalentwicklung besteht deutliche Kritik von Seiten der Akteure der praktischen Naturparkarbeit (Weber 2016). Obwohl die nachhaltige Regionalentwicklung als der zentrale Aufgabenbereich von Naturparken angesehen wird, bestehen Schwierigkeiten in der Umsetzung (Weber 2013), denn der Aufgabenbereich ist keinesfalls eindeutig definiert beziehungsweise abgesteckt.

Mit diesem theoretischen Vorwissen waren wir sehr gespannt darauf, einen Einblick in die Naturparkarbeit in der Wildeshauser Geest zu bekommen und uns selbst ein Bild davon zu machen.

Der Naturpark Wildeshauser Geest
Um einen Einblick in die Arbeit des Naturparks Wildeshauser Geest zu bekommen, haben wir nach einem ersten Kennenlerngespräch einen Termin mit dem Naturpark vereinbart. Während die Gruppe Antreiben ein Interview zum Tourismus im Naturpark durchgeführt hat, haben wir in der Gruppe Nähren eine Netzwerkanalyse durchgeführt, genauer gesagt eine ego-zentrierte Netzwerkanalyse. Die Netzwerkanalyse ist eine wissenschaftliche Methode, mit der Akteure und deren Beziehungen untereinander innerhalb eines Netzwerks aufgezeigt werden (GTZ 2006). Bei einer ego-zentrierten Netzwerkanalyse geht es dabei nicht allein darum, das Netzwerk als Ganzes darzustellen, sondern von einem bestimmten Akteur ausgehend, die Beziehungen zu anderen Akteuren im Netzwerk aufzuzeigen (Herz et al. 2015). Also haben wir die Verantwortlichen gebeten, aus der Perspektive des Naturparks die zentralen Akteure, mit denen sie zusammenarbeiten, aufzuzeichnen. Das Ergebnis war ein großes Blatt Papier, auf welchem eine Vielzahl von Akteuren aufgemalt war. Diese Übersicht über das Netzwerk des Naturparks gibt uns eine interne Sicht auf die Naturparkarbeit und zeigt die zentralen Akteure auf.

Eine erste Erkenntnis war für uns, dass der Naturpark mit enorm vielen verschiedenen Akteuren zusammenarbeitet. Hätten wir noch mehr Zeit gehabt, hätten die Verantwortlichen wahrscheinlich noch einige Blätter mehr füllen können. Denn die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht nur auf den Landkreis selbst, sondern umfasst die Landes- und Bundesebene. Es wurde jedoch auch deutlich, dass die Naturparkarbeit nicht immer ganz einfach ist. Der Naturpark bildet eine Art Schnittstelle zwischen Akteuren, welche zum Teil sehr unterschiedliche Erwartungen oder Forderungen an den Naturpark haben. Zudem sind die Verantwortlichen auch immer mal wieder in der Position, die Naturparkarbeit rechtfertigen und den Wert des Naturparks deutlich machen zu müssen. Denn oft sind sich Akteure, welche beispielsweise durch ein politisches Amt zum ersten Mal mit dem Naturpark zu tun haben, über dessen Bedeutung und Aufgaben gar nicht bewusst. Dies gilt auch insbesondere für die allgemeine Bevölkerung im Naturpark. Es wurde betont, dass sie sich mehr Kontakt wünschen würden und es nicht klar ist, wie der Naturpark wahrgenommen wird. Dieser Umstand gilt nicht nur für den Naturpark Wildeshauser Geest. Denn obwohl Naturparke hinsichtlich ihrer Zahl und Fläche die bedeutendste Schutzkategorie bilden, sind sie „nach wie vor die am wenigsten bewusst wahrgenommene und die am meisten mit anderen Schutzgebieten verwechselte Gebietsschutzkategorie in Deutschland“ (Mehnen und Mose 2016: 109).

Ein weiterer zentraler Aspekt des Gesprächs war, dass oftmals die personellen oder finanziellen Mittel fehlen, um Potenziale ausschöpfen und Kooperationen vorantreiben zu können. Daher müssen in der Naturparkarbeit Prioritäten und Schwerpunkte gesetzt werden, da der formale Anspruch an Naturparke nicht unbedingt mit deren Handlungsspielräumen übereinstimmt.

Verknüpfung von Theorie und Praxis: Potenziale transdisziplinärer Forschung
Der Einblick in die praktische Arbeit im Naturpark Wildeshauser Geest hat uns verdeutlicht, dass der formale Anspruch und die reale Naturparkarbeit nicht übereinstimmen. Dass es eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis gibt, ist zu einem gewissen Maße auch selbstverständlich. Jedoch hat uns das Gespräch verdeutlicht, dass vor allem mangelndes Wissen über den Naturpark und zu knappe Ressourcen Hindernisse für die Arbeit sind. Allerdings wurden im Gespräch auch die Potenziale der Naturparkarbeit sichtbar. Hierbei kann der theoretische Anspruch eine Art Zielrichtung vorgeben, welche es gilt, in der praktischen Naturparkarbeit umzusetzen. Hierzu muss eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis geschaffen werden, um die bestehende Kluft aufzubrechen. Indem man theoretisches Wissen für die praktische Arbeit „brauchbar“ macht und das praktische Wissen stärker in die theoretischen Überlegungen miteinbezieht, lassen sich die Potenziale in der Realität besser verwirklichen. Hierbei kann transdisziplinäre Arbeit einen wichtigen Beitrag leisten und Akteure aus Theorie und Praxis zusammenbringen.

 

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). 2006. Mainstreaming Participation. Instrumente zur AkteursAnalyse. 10 Bausteine für die partizipative Gestaltung von Kooperationssystemen. Aus der Reihe. Förderung partizipativer Entwicklung in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Eschborn: GTZ.

Herz, A. et al. 2015. How to Do Qualitative Structural Analysis: The Qualitative Interpretation of Network Maps and Narrative Interviews. Forum: Qualitative Sozialforschung 16(1), Art. 9.

Mehnen, N., Mose, I. 2009. Zwischen ländlicher Idylle und Freizeitattraktion – Eigen- und Fremdimage als Voraussetzungen für die touristische Entwicklung des Naturparks Wildeshauser Geest. In: Wahrnehmung und Akzeptanz von Großschutzgebieten. Herausgegeben von Ingo Mose. Oldenburg: Wahrnehmungsgeographische Studien, Bd. 25. 109-128.

VDN (Verband Deutscher Naturparke). 2017. Leitbild Naturparke Deutschland. https://www.naturparke.de/naturparke/leitbild.html (abgerufen 14.08.2017)

Weber, F. 2013. Naturparke als Manager einer Nachhaltigen Regionalentwicklung: Probleme, Potenziale und Lösungsansätze. Wiesbaden: Springer-Verlag.

Weber, F. 2016. Nachhaltige Regionalentwicklung: Naturparke im Spannungsfeld zwischen Idealvorstellungen und Grenzen in der Praxis. In: Naturparkmanagement in Deutschland: Qualitätsoffensive Naturparke. Herausgegeben von R. Forst, V. Scherfose. Bonn-Bad Godesberg: Bundesamt für Naturschutz Verlag. 131-144.

Causal mechanisms analysis – a potential way to bridge the divide between systemic and place-based research

By Nicolas W. Jager

In the Leverage Points project, as is often the case in empirical research and especially in sustainability sciences, we are caught between a focus on place-based research and the aspiration to generate insights which may be valid and relevant for a wider scope. One way to moderate this tension and to arrive at valid, context-related findings that may also have a wider scope is through utilizing causal mechanisms as focal points for analysis.

Discussions about the role and possibilities of a causal mechanisms perspective are prominent in social science research, and there exist numerous definitions (see e.g. Hedström and Ylikoski 2010 for an overview). A causal mechanism can be understood as “a continuous and contiguous chain of causal or intentional links between the explanans and the explanandum” (Elster 1989). As such, a close look at the processes at work in a given (place-based) case may be instrumental in figuring out the mechanisms at play. While such an approach may not be new or special for researchers accustomed to case study research and methods of process tracing or pattern matching, a focus on mechanisms also goes a bit further as it is sensitive to contextual conditions: as such, mechanisms are not to be understood as deterministic but as embedded and interacting with the surrounding context in any given case (see e.g. Falleti and Lynch 2009 for this interesting point). That means how – and if at all – causal mechanism play out in a given case setting depends on the given contextual conditions.

By making contextual conditions – or boundary conditions – explicit, case study analysis of causal mechanisms opens up the opportunity to set the cases under observation into relation to others and to discuss the actual scope of the mechanisms as such. In that way, insights collected in one case may not only be of relevance for other cases, but we may even be able to make explicit statements about contextual specificities influencing the ways the mechanisms may play out (or not).

In the context of the Leverage Points project, which focuses on deep-rooted, systemic change, a focus on causal mechanisms can be seen as a step of abstraction from place-based research on the way to understand social-ecological systems in more general. Findings gathered in a specific case – i.e. a specifically bounded system – can be understood as a seed for a more general understanding of systemic principles and ways to influence these. However, to reap this potential, it appears important (1) to be explicit and inclusive about the way that the system boundaries of the case under investigation are drawn and about the peculiarities of the context at hand; and (2) to engage in cross-case comparisons and strive for a systemic cumulation of insights.

Recent publications from members of the Leverage Points team, and beyond, may provide some guidance and example of how to use such a mechanism approach:

A comprehensive methodological framework to analyse and build conceptual framework upon mechanism research has been provided recently by Gary Goertz in his book Multimethod research, causal mechanisms, and case studies. An integrated approach. In a comprehensive, clear and convincing manner, he stresses the great potential of analyses of causal mechanisms and draws ways in which within-case analyses and cross-case inference may cross-fertilize each other (see Figure below) and provide valid and relevant findings with a greater scope.

Fig. 1

Figure: The research triad: causal mechanism, cross-case inference, and within-case causal inference (Goertz 2017, 2).

Together with colleagues, we used this approach to understand and analyse the potentials of public participation of citizens and stakeholders for improving the environmental performance of political outputs. We first built a framework of interrelated mechanisms (see below) through which participation may enhance the environmental standard of political decisions, as well as their implementation and acceptability (Newig et al. 2017). To this end, we consulted the relevant literature in form of many conceptual and empirical contributions. Apart from the described mechanisms, we put specific attention to the mentioned (or implicit) contextual factors influencing the way mechanisms may operate in a given case and collected these into a comprehensive table. With this contribution, we aimed to set the basis for further inquiry to test, refine and further develop these causal mechanisms and their scope conditions, to arrive at a more general and systemic understanding of the processes at work.

Fig 2

Figure: Overview of Mechanisms Linking Participation to Environmental and Social Outcomes. (Newig et al. 2017, 6).

We empirically applied this framework in our new volume Participation for Effective Environmental Governance. Evidence from European Water Framework Directive Implementation (Kochskämper et al. 2018). Drawing upon our mechanism framework, we conducted a set of nested case studies or water governance in Spain, the UK, and Germany. The mechanism framework has been instrumental in guiding our research design and focus, and also allowed us to set the insights we gathered into a wider context and as such enlarge their scope.

To conclude, using causal mechanisms as a study focus may yield great potential to moderate the tension between (place-based) within-case research and between-case inquiry and to arrive at valid, contextually-bound, and meaningful insights. While, of course, such an approach also requires stringent and thorough research design, it may be instrumental in helping to understand how systems function and where levers may be found.

 

Literature

Elster, J. 1989. Nuts and Bolts for the Social Sciences. Cambridge: Cambridge University Press.

Falleti, Tulia G., and Julia F. Lynch. 2009. “Context and Causal Mechanisms in Political Analysis.” Comparative Political Studies 42(9): 1143–66.

Goertz, Gary. 2017. Multimethod Research, Causal Mechanisms, and Case Studies: An Integrated Approach. Princeton University Press.

Hedström, Peter, and Petri Ylikoski. 2010. “Causal Mechanisms in the Social Sciences.” Annual Review of Sociology 36(1): 49–67.

Kochskämper, Elisa, Edward Challies, Nicolas W. Jager, and Jens Newig (eds.). 2018. Participation for Effective Environmental Governance. Evidence from European Water Framework Directive Implementation. London: Routledge.

Newig, Jens, Edward Challies, Nicolas W. Jager, Elisa Kochskämper, Ana Adzersen. 2017. “The Environmental Performance of Participatory and Collaborative Governance: A Framework of Causal Mechanisms.” Policy Studies Journal (online first).

 

 

 

 

 

Nachhaltige Entwicklung durch transdisziplinäre Projekte als Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen?

Eine kurze Darstellung der Kritik am transdisziplinären Forschen als Lösung der globalen Herausforderungen im Zuge des vorherrschenden Nachhaltigkeitsverständnisses.

Von Adrian Wulf

This blogpost is part of a transdisziplinary student project in the region of Oldenburg tought by Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

Dieser Blogpost ist Teil des Studentenprojektes Transdisziplinäres Projekt: Landkreis Oldenburg im Master Nachhaltigkeit. Lehrende: Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

Was sucht also eine kritische Betrachtung von Nachhaltigkeit und Transdisziplinarität auf diesem Blog? Nun, in vielen, oder eher in fast allen Bereichen des Lebens, in denen Wissen, beziehungsweise die Generierung und Weitergabe des selbigen eine große Rolle spielt, gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, was wirklich zielführend und nötig ist. Aus diesem Grund gibt es auch im Bereich der Nachhaltigkeit diverse mehr oder weniger stark repräsentierte Strömungen, die die Methoden und Zielsetzungen unterschiedlich bewerten und definieren. Selbiges gilt für den Ansatz der Transdisziplinarität, welcher sich nicht nur in der aktuell dominierenden Strömung in der Nachhaltigkeit einer starken Beliebtheit erfreut, sondern auch in anderen Disziplinen.

Meinem Erachten nach ist es wichtig, den aktuell vorherrschenden Auffassungen die geäußerte Kritik vorzuhalten und so allen Beteiligten einen neuen Blickwinkel darzubieten, der zur Reflexion anregen kann. Denn wenn sich eine Wissenschaft oder ein System selbst genug ist, verspielt es eine großartige Gelegenheit sich zu entwickeln.

Zuvorderst ist das Ziel der aktuellen Forschung, beziehungsweise im Falle dieses Projekts spezifisch die „nachhaltige Entwicklung“. Der Entwicklungsbegriff ist dabei nicht unumstritten und gewann etwa ab 1950 im Rahmen des Beginns des „Entwicklungszeitalters“ an Bedeutung. Im Kontext von „Fortschritt“, beispielsweise einer Region, beruht der Entwicklungsbegriff auf der Idee einer globalen, linearen Reifebewegung der Gesellschaft im Sinne der Aufklärung, wobei der Grad der Zivilisierung (anfänglich) an seiner wirtschaftlichen Performance abgelesen werden kann. Diese Interpretation schafft allerdings einen Gedanken von einer Rangordnung, in der es gilt, zu anderen aufzuschließen, sie zu überholen und zu dominieren. Zugleich bestimmt das Ziel „Entwicklung“ auch gleich den Start, das Problem „Unterentwicklung“, und bietet sich sogleich als Lösung des geschaffenen Problems an. Dieses Narrativ ist sowohl auf Regionen, als auch auf Staaten anwendbar, legt dabei wirtschaftliche Stärke als Machtordnung fest und wird als mobilisierendes Argument angewendet („Wir müssen die stärkste ökonomische Macht werden!“). Bereits in den 70ern wurde der Begriff um Umverteilung, Partizipation und menschliche Entwicklung erweitert, was das eigentliche Problem allerdings nicht löst: Der Entwicklungsbegriff als mobilisierendes Element verleibt sich Kritik ein und ordnet sie der bisherigen Zielsetzung unter. So kann „nachhaltige Entwicklung“ als Anpassung an neuere ökologische Kritik am Entwicklungsdiskurs betrachtet werden, in deren Zuge sich die Denkweise im Nachhaltigkeitsdiskurs von „Erhalten“ zu „Entwickeln“ änderte. Dem ökonomischen Grundnarrativ folgend, stellt die Endlichkeit natürlicher Ressourcen die Idee allerdings in Frage. Zusammengefasst: Der Begriff „nachhaltige Entwicklung“ referenziert auf den Entwicklungsbegriff und dessen Genese und Veränderung muss daher mitgedacht werden, wenn dieser Ausdruck verwendet wird; er lässt sich somit nicht unkritisch verwenden (vgl. Sachs 2000).

Wie der Begriff „ökonomisch“ bereits verdeutlicht, ist Entwicklung in der Sphäre der Wirtschaft verankert, folglich im Kapitalismus. Die Kapitalismuskritik muss an dieser Stelle sehr knapp angerissen werden: Kapitalismus zeichnet sich durch Lohnarbeit, Konkurrenz und Akkumulation von Kapital aus und braucht ein mobilisierendes Narrativ, wobei das seit den 1960ern vorherrschende jenes des Unternehmers (Entrepreneur) ist (Boltanski & Chiapello 2002).

Die Kapitalismuskritik aus den 60ern und 70ern konnte in Sozialkritik („die herrschenden Verhältnisse sind sozial ungerecht“) und Künstlerkritik („Kapitalismus führt zu individueller Unfreiheit und Entfremdung“) unterschieden werden. Letztere Kritik bot die bereits vorgestellte Möglichkeit der Transformation und somit Aufrechterhaltung des Kapitalismus. Als Folge werden gesellschaftliche Probleme in Projekte gegliedert und die Metapher des Netzwerks genutzt. Die Folge ist ein zerrissenes Identitätsverständnis, bei dem auf der einen Seite die „Selbstverwirklichung“ als Projekt steht (möglichst viele Kontakte knüpfen und halten) und auf der anderen Seite der Wesensverlust durch Überforderung (sich in der Vielzahl von Aktivitäten verlieren). Denn nun wird wertgeschätzt, wer nicht für sich sondern für das Gemeinwohl arbeitet, wer Aktivität zeigt und Beziehungen knüpft, flexibel ist und sich in alle Projekte einfügen kann, wer eigenständig handelt, sich trennen kann, teamfähig ist, immer Ideen und Ziele hat – und erfolgreich ist (Boltanski 2007). Eine der neusten Ausformungen davon ist beispielsweise das sogenannte „social Entrepreneurship“, bei dem Unternehmen Nutzenmaximierung vor Gewinnmaximierung stellen und so wird die Lösung sozialer und ökologischer Probleme durch private Akteure – statt durch den originär verantwortlichen Staat – angestrebt, welche sich aber finanziell selber tragen sollen (Beckmann 2011).

Die logische Folge dieser Entwicklung ist nach Rose (2000) das unternehmerische Selbst, das heißt, dass der Mensch aus seinem Lebe ein Unternehmen macht. Diese Einstellungen ziehen sich mittlerweile sehr konsequent durch die Gesellschaft und spiegeln sich in den Machverhältnissen und Formen wider. Dabei ist die gepriesene Autonomie nicht die Befreiung von der Macht anderer, sondern Ziel und Instrument der Machtausübung und Verhaltenssteuerung. Der Druck äußert sich in Selbsthilfegruppen, Ratgeberliteratur und Therapiewesen, welche Erscheinungsformen des überforderten und an den gesetzten Ansprüchen scheiternden Selbst sind. Eine weitere Erscheinungsform ist der Trend, jedem Handlungsfeld Sinn zuzusprechen, beziehungsweise den Sinn zu suchen. Arbeit darf nicht mehr nur Broterwerb sein, sondern muss dem Leben Sinn geben – das Individuum muss seinem Leben stets einen Sinn geben: „Das politische Subjekt hat von jetzt an ein Individuum zu sein, dessen Bürgerschaft sich durch die freie Ausübung persönlicher Auswahl aus einer Reihe von Optionen zu äußern hat.“ (ebd. 22f).

Im aktuellen Nachhaltigkeitsdiskurs findet eine zunehmende „Privatisierung statt, das heißt, dass vor allem Privatpersonen das Ziel sind. Diese solle ihr Konsum- und anderen Umweltverhalten anpassen. Dies ist auch eine Folge davon, dass die seit Jahrzehnten stattfindende Bemühung um nachhaltiger Entwicklung auf politischer Ebene als wenig und nicht ausreichend erfolgreich waren, beziehungsweise angesehen werden. Dabei sollten solche Themen, die alle etwas angehen, nicht ins Private abgewälzt werden, sondern gesamtgesellschaftlich angegangen werden. Zumal es vermessen ist anzunehmen, dass das private Handeln wirklich zur Nachhaltigkeit führt, da es kaum möglich ist, dass jedes Individuum für jede Entscheidung und Handlung über das nötige Wissen verfügt (Wer weiß denn schon ins kleinste Detail, wie es beispielsweise um die Nachhaltigkeit eines Produktes steht?) geschweige denn motiviert werden kann, jederzeit strikt alle Handlungen der Nachhaltigkeit unterzuordnen. Die Lösung wäre, jede einzelne Entscheidung und die Hauptverantwortung nicht auf den einzelnen (Konsumenten) abzuwälzen, sondern Nachhaltigkeit politisch voranzutreiben und Bürger*innen in den großen Entscheidungen als politische Akteure einzubinden (Grunwald 2010).

Auch vor der Forschung macht dieser Trend der Aufteilung in kleine Projekte und individueller Verantwortung nicht halt. Des Weiteren macht die Sinnfrage auch vor diesem Bereich keinen Halt, entwickelte sich aber zusätzlich aus historischen Prozessen.

Als Antwort auf diese Frage und auf aktuelle Herausforderungen wie etwa der dringenden Notwendigkeit die Welt gerechter und nachhaltiger zu gestalten ist unter anderem in der Nachhaltigkeitsforschung die transdisziplinäre Forschung das Instrument, beziehungsweise die Methode der Wahl. Dabei ist transdisziplinäres Forschen erkenntnistheoretisch ((Wie) kann die Integration heterogenen Wissens überhaupt stattfinden?) und wissenschaftspolitisch (schafft die Partizipation tatsächlich eine breite Akzeptanz von Wissenschaft?) fragwürdig. Insbesondere die letzte Frag ist sehr interessant, da sich die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten immer mehr in einer Legitimationskrise befand und diese u.a. durch die Integration der nicht akademischen Bevölkerungsteile zu lösen versucht: Denn die Heilsversprechungen der Wissenschaft haben sich häufig nicht in dem Maße erfüllt, in dem sie propagiert wurden. Der Stellenwert der Wissenschaft nahm parallel dazu erst stark zu, indem sie immer mehr andere Wissensformen verdrängte und stärker in die Institutionen integriert wurde. Das führte zur sogenannten Wissensgesellschaft. Mit den enttäuschten Hoffnungen und der Ernüchterung wandelte sich dies zur Risikogesellschaft, in der verstärkt nach den Gefährdungen durch Wissenschaft und Technik gefragt wird. Dadurch werden neue Ansprüche an die Wissenschaft gestellt.
Transdisziplinarität kann, je nach Lesart, zwei Formen annehmen: Einerseits ist es die Abkehr von der Suche nach zuverlässigem Wissen hin zum Potential unmittelbar (und emanzipatorisch) zur Lösung drängender Weltprobleme beizutragen, anderseits wird es die neue Form der Wissenschaft, der demokratischen Wissenserstellung angesehen, bei welcher der ausgehandelte Konsenses der Beteiligten die formale rationale Rechtfertigung Beteiligten ersetzt. Dieser „neue Forschungstypus“ wird systematisch überfrachtet mit außer-wissenschaftlichen Zielen und Erwartungen, sodass es nur zu Minimalkonsensen und pragmatischem Prozessieren kommen kann: Denn jede Disziplin und auch die Praxispartner haben ihre Agenda, die keinesfalls übereinstimmen müssen. Gleichzeitig bilden sich Abhängigkeiten und Verpflichtungen, die dem wissenschaftlichen Forschungsziel nicht eben zuträglich sein müssen. Sei es, dass um jeden Preis Praxispartner gehalten werden müssen, um Ergebnisse liefern zu können, damit auch zukünftig Gelder für Forschungsprojekte eingeworben werden können, oder dass jedem Akteur im Forschungsprojekt individuell begegnet werde muss, was zu einem hohen Mehraufwand führen kann (zum Beispiel haben Auftraggeber, Institut und Praxisakteure unterschiedliche Erwartungen, die auch unterschiedliche Darstellungen der eigenen Tätigkeit erfordern. So müssen Daten mehrfach aufbereitet und präsentiert werden.). Auffällig ist dabei auch, dass zwar alle Teilnehmer*innen Daten liefern und einbringen sowie Ergebnisse fordern und präsentiert bekommen wollen, die tatsächliche Forschungsarbeit liegt aber mehrheitlich in der Hand der Wissenschaftler*innen, auch, da diese ja spezifisch dafür ausgebildet sind. Transdisziplinäre Forschungsprojekte  ermöglichen demzufolge höchstens gemeinsames/voneinander Lernen (mutual learning), aber keine gemeinsame Forschung (joint research).
Es ist fragwürdig, ob transdisziplinäre Forschung ihre Versprechungen einhalten kann. Stattdessen wird wissenschaftliches Wissen vermehrt kontrolliert, rationale formale Rechtfertigung durch demokratische Minimalkonsense ersetzt und vor allem die Forscher*innen systematisch mit Verantwortung und nicht forschender Arbeit überfrachtet. Transdisziplinarität bedeutet eine Wendung von großer wissenschaftspolitischer Zielsetzung zur bloßen Frage nach Koordination und Kommunikation kooperativ-partizipativer Prozesse, also Management (Maasen 2007).

Im Begriff der nachhaltigen Entwicklung, aber auch der der Transdisziplinarität wird deutlich, dass das herrschende Paradigma des ökonomischen Wachstums bzw. der individualisierten Verantwortungszuschreibung mit neuen Anforderungen nach ökologischer Nachhaltigkeit und Partizipation gekoppelt wird. Damit wird radikale Kritik an einem auf unmoralischer Aneignung von Natur und Menschen basierenden System zugunsten eines Engagements innerhalb der kapitalistischen Möglichkeiten aufgelöst. Die zentralen Problematiken des Kapitalismus, wie Ausbeutung der Natur und Menschen zugunsten einiger weniger Eliten, aber auch von globalen Mittelklassen, kann so nicht aufgehoben werden. Dabei ist das unternehmerische Selbst überzeugt autonom und moralisch „gut“ zu handeln, während andere Bevölkerungsschichten nicht die Ressourcen haben, zu partizipieren oder moralische Ansprüche zu übernehmen.

 

Literatur

Beckmann, M (2011): Social Entrepreneurship – Altes Phänomen, neues Paradigma moderner Gesellschaften oder Vorbote eines Kapitalismus 2.0? In: Hackenberg, H. & Empter, S. (Hrsg.) (2011): Social Entrepreneurship – Social Business: Für die Gesellschaft unternehmen. Wiesbaden: VS Verlag. 67-85.

Boltanski, L., & Chiapello, È. (2002): Die Arbeit der Kritik und der normative Wandel. In: von Osten, M. (Hrsg.) (2002): Norm der Abweichung. Zürich: Edition Voldemeer /Wien, New York: Springer. 57-80.

Boltanski, L. (2007): Leben als Projekt. Prekarität in der schönen neuen Netzwelt. Polar 2. Unter: http://www.polar-zeitschrift.de/polar_02.php?id=69 (Letzter Aufruf 05.08.2017).

Grunwald, A. (2010): Wider die Privatisierung der Nachhaltigkeit. GAIA 19/3(2010). 178-182.

Maasen, S. (2007) Transdisziplinarität in vivo – zur Praxis einer wissenschaftspolitischen Vision. In: Kropp, C.; Schiller, F.; Wagner,J. (2007): Die Zukunft der Wissenskommunikation. Berlin: Edition Sigma. 221-240.

Rose, N. (2000): Das Regieren von unternehmerischen Individuen. Kurswechsel. H. 2. 8-26.

Sachs, W. (2000): Development. The Rise and Decline of an Ideal. Wuppertal Papers 108.

Artistic and design research as transformative practices

by Daniela Peukert

I have never been to a conference in the field of sustainability science until I attended the Transformations 2017 conference in Dundee, Scotland last month. This is not surprising as I graduated in design and only started my PhD in sustainability science two years ago. Now I step constantly between these two worlds of design and sustainability science. And to get to know the one I was not socialized in, I find it essential to attend these kind of events to understand how this specific community thinks, works, and is connected. Attending this one with it´s topic on “Transformations in practice” made a pretty good start. Right from the first day, a lot of my Leuphana and Leverage Points colleagues (who formed a fairly large group at that conference), kept coming to me saying: “This is all about the stuff you are doing too!”

The conference organizers made a huge effort to include a big variety of creative expressions in the event: music, performing arts, design, graphic recording or visual arts to name just a few. And these creative interventions achieved their aim: opening up new perspectives and creating experiences, that may even have made some scientists uncomfortable, like when a willow plaited egg was burnt or a Transformations hymn was sung in the plenary (see figure 1). But creative approaches were not only part of the “side program”, but also discussed in the sessions as forms of transformative practices and new ways of knowledge production. This is also where my interest as a design researcher is situated.

Figure 1

Fig. 1 – Artistic performance: Burning our fears that keep us from changing our habits. (Photography Credit – Kenneth Malcolm Photography)

Mel Woods, co-organizer of the conference, referred to an extended understanding of design in her keynote speech which I also share: “Design no longer only shapes form or graphics, but processes and new approaches of understanding.” A key point is that design can be understood as a transformative practice, a practice that “is changing existing situations into preferred ones” as Herbert Simon stated in 1969.

Ioan Fazey, co-organizer and also part of the first Transformations conference, likewise dealt with the aspect of practice in his keynote speech. He took up a threefold distinction by Sophie Hope on the relationship of research and practice:

  • Research on practice – which is about the observation of practice,
  • Research for/as practice – which means practices are the intended outcome, and
  • Research through practice – which means practice itself becomes the research.

Not only do I like the idea of research through practice as a scientific approach that holds a key principle of both action research and transdisciplinary research for me, but I am also pleased that Hope´s distinction is based on the concept of research through design by Christopher Frayling from 1993. Frayling originally differentiated:

  • Research into Arts and Design – a mode of looking from the outside,
  • Research for Arts and Design – research that serves the art or design process, and
  • Research through Arts and Design – a research approach done through practice and/or use of design methods.

The concept of research through design as a transformative research practice coupled with an extended understanding of design (as mentioned by Mel Woods), is a promising idea for science in general. Using creative approaches like art and design to rethink the way we produce knowledge for sustainability transformations is just beginning to evolve, and I´m very happy to be part of this endeavor as a member of the Leverage Points project.

TD: Mehr als Wissenschaft ?/!

Eine persönliche Reflektion eines transdisziplinären Forschungsprozesses

Von Benjamin Yang

This blogpost is part of a transdisziplinary student project in the region of Oldenburg tought by Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

Dieser Blogpost ist Teil des Studentenprojektes Transdisziplinäres Projekt: Landkreis Oldenburg im Master Nachhaltigkeit. Lehrende: Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

 Was ist TD?
Beim Lesen dieses Blogs müsste es bereits zig-malig aufgetaucht sein, das Wort Transdisziplinarität beziehungsweise trandisziplinäres Forschen beziehungsweise TD. Kurz und recht grob beschrieben, bedeutet es nicht-akademische Wissensquellen, wie beispielsweise aus der Politik, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft in einen kollaborativen Forschungsprozess zu integrieren um gemeinsam gesellschaftlich relevante Probleme zu definieren und mögliche Lösungsansätze zu erarbeiten.

Bei der Arbeit an diesem studentischen trandisziplinären Forschungsprojekt, zu dem auch dieser Blogpost gehört, ist mir jedoch ein mal mehr deutlich geworden, dass trandisziplinäres Arbeiten nicht nur eine neue Art des Forschens ist.

Warum wird transdisziplinär gearbeitet?
Transdisziplinäres Forschen wird als ein Schlüsselaspekt der Nachhaltigkeitswissenschaften betrachtet.[1] In Anbetracht dessen wird in ihnen erforscht, wie Nachhaltigkeit umgesetzt werden kann.

Nachhaltigkeitsprobleme, wie zum Beispiel der Klimawandel, Artensterben, Bodendegradation, Verteilungsungerechtigkeiten, Landflucht und viele mehr, sind oftmals sehr komplex und in vielen verschiedenen Bereichen der Gesellschaft verwurzelt. Meistens sind sie auf noch größere Probleme zurückzuführen, die letztendlich an den Fundamenten unserer Gesellschaft liegen, wie zum Beispiel das stetige Populationswachstum oder eine konsumorientierte Kultur.[2] Aufgrund dessen wird davon ausgegangen, dass eine gesamtgesellschaftliche Transformation von Nöten ist, um eben jene grundlegenden problematischen Situationen zu lösen beziehungsweise ins Nachhaltigere zu verändern.[3]
Damit solche komplexen Probleme überhaupt erfasst und Lösungen erarbeitet werden können, werden viele verschiedene wissenschaftliche Disziplinen in die Nachhaltigkeitswissenschaften integriert, wie beispielsweise Biologie, Chemie, Ökologie, Geographie oder gesellschaftswissenschaftliche Fachgebiete wie Soziologie, Politikwissenschaften, BWL, Recht ebenso philosophische Bereiche wie die Ethik. Die Nachhaltigkeitswissenschaften können demnach als multi- und interdisziplinäre Wissenschaften bezeichnet werden, die Gesellschaftsprobleme lösen sollen.
Weiter wird in den Nachhaltigkeitswissenschaften die Gesellschaft als System mit bestimmten Mechaniken, Funktionen und Abläufen betrachtet. Dadurch ist es möglich zu untersuchen, welche Prozesse zu Entwicklungen führen, die unnachhaltige Folgen haben. Es kann also ein großes Nachhaltigkeitsproblem runtergebrochen und unterteilt werden, bis ein Teil beziehungsweise eine Entwicklung gefunden wird, deren Transformation realistisch ist, wie zum Beispiel die Untersuchung von Hebeln für Nachhaltigkeit im Landkreis Oldenburg.[4]

Um den Blickwinkel jedoch noch weiter zu fassen und vor allem, um gesellschaftsrelevante Probleme möglichst realitätsnah zu lösen, werden andere, nicht-wissenschaftliche Teilnehmer der Gesellschaft und deren jeweiliges Wissen in den Forschungsprozess mit einbezogen. Was an dieser Stelle also geschieht, ist, dass nicht-akademische Wissensquellen anerkannt werden und somit die Vormachtstellung der Wissenschaft auf Wissen im Allgemeinen aufgelöst wird.[5] Weiter wird das wissenschaftliche Wissen als eine von vielen möglichen Wissensarten erachtet, wodurch Wissenschaftler und Nicht-Wissenschaftler gleichermaßen als Gesellschaftsteilnehmer betrachtet werden. Die klassisch wissenschaftliche Position von Forschendem und Forschungsobjekt wird dadurch aufgehoben. Die Forschenden sind, als Teilnehmer der Gesellschaft, gleichzeitig die Erforschten.[6] Die übergeordnete Forschungsfrage ist demnach “Was können wir wie an uns ändern?” und ist letztendlich ein Prozess der Selbstreflektion. Was machen wir eigentlich? Warum machen wir das? Was müssen wir verändern, um eine bessere Situation zu schaffen?

Ein weiterer Vorteil dieser Forschungsart ist, wie erwähnt, dass die Probleme und deren Lösungen, die gemeinsam erarbeitet werden, zwangsläufig gesellschaftsnah und umsetzbar sind. Es werden möglichst viele Akteure, die etwas mit der Problematik zu tun haben, einbezogen, um viele wichtige Perspektiven zu beachten und damit auch Lösungen zu erarbeiten, die für so viele Menschen wie möglich zufriedenstellend und auch umsetzbar sind.[7]
Diese Zusammenarbeit von Beginn an für ein gemeinsames Ziel ist bestimmend für den weiteren Prozess, da deutlich wird, dass jeder Teilnehmer seine Interessen integrieren kann. Dadurch entsteht Verantwortung für die Forschung.

Abb. 1

Abbildung 1: Modell eines idealtypischen transdisziplinären Forschungsprozesses: Das ISOE-Modell (Heinrichs et al. 2014: S. 106)

Ist Transdisziplinarität transformativ?
Bemerkenswert an der transdisziplinären Forschung ist meiner Ansicht nach ihre Flexibilität. Auch wenn in ihr Methoden verwendet werden, die als wissenschaftlich bezeichnet werden können, scheint mir die transdisziplinäre Forschung wissenschaftlich amorph. Sie folgt nur lose einer bestimmten Struktur (weshalb die Abbildung lediglich einen idealtypischen transdisziplinären Forschungsprozess darstellt) und ist zu jedem Zeitpunkt offen für Veränderungen und Anpassungen. Das übergeordnete Ziel, eine Entwicklung zur Nachhaltigkeit, ist für alle Teilnehmer gleichbleibend. Doch da die Nachhaltigkeit an sich an Bedürfnissen orientiert ist und diese wiederum von gesellschaftlichen Werten abhängig sind, ist sie zumindest zu einem gewissen Grad subjektiv. Nachhaltigkeit und damit auch die transdisziplinäre Forschung werden demnach von den Akteuren “gefüllt”.
Die Forschenden fragen sich “Wie wollen wir leben?” und bestimmen bei der Problemdefinition, welche Situation für sie problematisch ist und wie sie aussehen sollte oder könnte. Dieses Ziel kann sich jedoch, wie beschrieben, während des Prozesses ändern, da durch die Zusammenarbeit neue Erkenntnisse gewonnen werden. Hierauf wurde beispielsweise im derzeitigen Projekt bereits von Anfang an hingewiesen und dies ist ein Punkt, der aus meiner Sicht bemerkenswert und unwissenschaftlich ist. Das übergeordnete Ziel ist allen klar, doch der Weg dorthin wird während des Prozesses bestimmt.

Was Transdisziplinarität also so flexibel macht, ist die Diversität an Akteuren. Die unterschiedlichen Hintergründe, Verhaltensweisen, Arbeitsweisen, Ansichten, Werte und Interessen schaffen einen großen Ressourcenpool, aus dem stetig neue Impulse und Kompetenzen geschöpft werden können. Um diese Ressourcen so divers wie möglich zu gestalten und diese auch tatsächlich nutzen zu können, ist, wie in jeder Zusammenarbeit, die Kommunikation von äußerster Wichtigkeit.
Sie bestimmt die Definition der Problematik, den Wissensaustausch, das gemeinsame Erarbeiten einer Lösung und deren Durchführung. Insofern könnte der transdisziplinäre Forschungsprozess auch als Kommunikationsprozess gesehen werden, in dem die Verbindungen zwischen den Teilnehmern der Gesellschaft untereinander und der Gesellschaft mit ihrer Umwelt verständlich und veränderbar werden.

Die vorangegangenen Überlegungen zusammenfassend, ist Transdisziplinarität also stark abhängig von den Mitwirkenden. Hierin liegt, wie beschrieben, enormes Potenzial. Dennoch kann die Forschung gerade an diesem Punkt scheitern, wenn zum Beispiel einige Akteure nicht aktiv teilnehmen oder die Kommunikation nicht funktioniert beziehungsweise keine Einigung der Interessen erreicht werden kann.

Um die Eingangsfrage zu beantworten, denke ich, dass transdisziplinäres Forschen, wenn es sein Potenzial vollständig entfaltet, kaum noch als wissenschaftlich bezeichnet werden kann. Schließlich ist gerade die Überwindung wissenschaftlicher Grenzen ihr Kern. Die Wissenschaft spielt somit eine unterstützende Rolle, die dem eines Vermittlers oder Ideengebers nahekommt. Als ein sehr einflussreicher Teil der heutigen Gesellschaft sollte die Wissenschaft in einem transdisziplinären Forschungsprozess keinesfalls vernachlässigt werden, doch sollte sie ebenso wenig, aus demselben Grund, zu dominant sein, wenn tatsächliche Transformation stattfinden soll.

Literatur

 

[1]    Heinrichs, Harald et al. (2014): Nachhaltigkeitswissenschaften, S. 91

[2]    Kates, Robert W. et al. (2001): Sustainability science, S. 641-642

[3]    WBGU (2011): Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, S. 29-31

[4]    Robinson, J. (2003): Future subjunctive: backcasting as social learning, S. 848-849

[5]    Lang, Daniel J. et al. (2012): Transdisciplinary research in sustainability science: practice, principles, and challenges, S. 26

[6]    Heinrichs, Harald et al. (2014): Nachhaltigkeitswissenschaften, S. 96

[7]    Lang, Daniel J. et al. (2012): Transdisciplinary research in sustainability science: practice, principles, and challenges, S. 28

UNLEASH 2017: innovations for achieving the SDGs

by Christian Dorninger and Kathleen Klaniecki

We, Kathleen and Christian from the Leverage Points team, attended the first UNLEASH innovation lab for achieving the Sustainable Development Goals (SDGs) (https://unleash.org/). It took place in Denmark over a time span of 10 days and involved 1000 young ‘talents’ (intra- and entrepreneurs, academics, and technical experts) from 129 countries. The idea of UNLEASH was to gather together young professionals passionate about sustainability and the SDGs to come up with solutions, ideas, and innovations on how to achieve the SDGs. We were both excited to attend the lab and find out how our academic work and framings of sustainability problems/solutions resonated with the perceptions of other young professionals, mostly from outside academia and from different countries and continents. That in itself was a good exercise from which we learnt a lot.

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1000 ‘young talents’ from all over the world in one big former factory building (Lokomotivværkstedet, Copenhagen).

In its first year, UNLEASH focused on seven of the SGDs: water, energy, health, food, sustainable production and consumption, urban sustainability, and education and ICT (information, communication, technology). We were both placed in one of the two “sustainable production and consumption” groups (Snoghøj), which limits our reflections on the UNLEASH lab to our experiences in this subgroup. The program kicked-off with the thousand ‘talents’ meeting in Copenhagen for common introduction and get-together, but we were then split up into smaller groups which were distributed into 10 different places across the Danish countryside. The innovation process took place in famous Danish Folk-High schools – places of adult education with emphasis on common activities and conviviality.

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The Folk-High School of Snoghøj, Jutland.

The goal of this part of the UNLEASH lab was to create real, scalable solutions to the Sustainable Development Goals. The innovation process was guided by activity cards, progress and gate checks, which precisely determined which steps had to be followed in order to create an idea that was implementable, innovative, and marketable. Facilitators guided the process and came mostly from consulting companies, but also from other organizations like the UN. Whereas there was agreement among the facilitators that CSR has basically failed (unable to create real change), the new way of how to work with private companies to create change for sustainability that goes beyond CSR remained somehow unclear.

From a leverage point’s perspective, one could observe that most of the solutions that the teams developed could have been more radical and more systemic in the way problems were framed and addressed. One critical criteria for solutions that would move through the UNLEASH process was the economic viability and competitiveness of the idea. This, we feel, somehow constrained the great potential of bringing so many young people together to think about how to create change. The solutions developed could potentially have gone beyond technological problem-fixing ideas and towards addressing the root causes of unsustainability, if economic viability hadn’t been a constraining factor. But here one probably simply has to acknowledge that there is still a gap between deep systemic sustainability change as increasingly discussed by academics and actual ideas taken up by investors to create projects that are economically viable.

Whereas, the Royal Highness Crown Princess Mary of Denmark, who was one of the of patrons of the UNLEASH lab 2017, stressed (https://www.youtube.com/watch?v=hxPb9o1mFoM) the “global spirit and insight of collaboration” and the fundamental need to “work together in radical new ways and collaborate on our common goals across all sectors, societies, countries, and regions, based on the recognition that only together we can achieve meaningful change for good”; this was, eventually, less strongly emphasized till the end of the innovation process when the question always was: “Why would CEOs want to invest in your idea?”

One conversation that has been shared on a social media channel between ‘talents’ pitching their idea and a judge reflects this dilemma quite well:

Judge: “Who are your competitors because your solution is easily replicable?”

‘Talents’: “We don’t care if the model is replicable; we want to solve the problem so it’s a good thing if others take it up.”

Participating in the UNLEASH lab shed light on some common challenges when discussing sustainability transformation, but also on the incredible passion and determination in young people across the globe for solving challenging sustainability problems. Moving forward, we suggest that innovations like UNLEASH open up their innovation process to allow room for both economically viable solutions as well as for ground-breaking, system challenging solutions. Moving towards systemic, wide-spread sustainability transformation requires space to develop such solutions.

 

Gruppenarbeiten unterstützen – oder was Hebammen und Moderatoren gemeinsam haben

Von Fernanda von Schiller

This blogpost is part of a transdisciplinary student project in the region of Oldenburg taught by Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, and Dr. Maraja Riechers.

Dieser Blogpost ist Teil des Studentenprojektes Transdisziplinäres Projekt: Landkreis Oldenburg im Master Nachhaltigkeit. Lehrende: Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

In diesem Post werden Sie in die Geheimnisse der Moderation eingeweiht und entdecken dabei die Gemeinsamkeiten von Hebammen und Moderatoren. Zuvor möchte ich jedoch kurz den Bogen zu transdisziplinärer Forschung schlagen und deren Merkmale beschreiben, die ausschlaggebend für eine Moderation der Gruppenarbeit sind. Laut Matthias Bergmann, Forscher am Institut für sozial-ökologische Forschung und seinen Co-Autoren, ist transdisziplinäre, also disziplin-übergreifende Forschung, die Integration von verschiedenen Wissenskulturen aus Forschung und Praxis. Bei der Zusammenarbeit dieser Forschervielfalt geht es vor allem um die Erreichung von Konsens, um gemeinsam eine Lösung für ein wissenschaftlich als auch praktisch-relevantes Problem zu finden. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass transdisziplinäre Forschung sich vor allem durch den iterativen, also die kontinuierliche Reflektion des Forschungsgegenstands auszeichnet. Dieser kreisförmige Prozess soll den gemeinsamen Lernprozess aller Beteiligten fördern (vgl. Bergmann et al. 2010, Defila et al. 2006). Laut der Wissenschaftspolitikerin Vera Rabelt (2007) sind für diesen Lernprozess die richtigen Begleit-Instrumente essentiell. Unter anderem bezeichnet sie Moderation als wesentlichen Bestandteil, um sowohl die Sozial- als auch die Wissensintegration zu fördern.

Im Hinblick auf unsere Studierenden-Forschungsgruppe, erwies sich die Moderation bisher als ein sehr wertvolles Instrument, um die Gruppen- sowie Konsensfindung (zunächst interdisziplinär) zu unterstützen. Denn unsere 22-köpfige Gruppe bringt natürlich nicht nur unterschiedliche Disziplinen (von Umweltwissenschaften, über Kultur- oder Politikwissenschaften bis hin zu Betriebswirtschaftslehre) zusammen, sondern auch 22 verschiedene Charaktere. Während der ersten Zusammentreffen merkten wir schnell, dass unsere Sitzungen, gut strukturiert und organisiert sein müssen, um ausgeglichene Diskussionen zu führen, Entscheidungen effizient zu treffen und der Kreativität genügend Raum zu lassen. Denn dies bildet die Basis für eine gute Zusammenarbeit.

Begleitend zu dem transdisziplinären Forschungsprojekt, bietet das Methodenzentrum der Leuphana Universität unter anderem eine interaktive Moderations-Werkstatt an. Darin lernen wir, uns in die Rolle als Moderator*in einzufinden und die Grundlagen für die benötigten Strukturen für Gruppenarbeiten auszuarbeiten. Aber was sind denn eigentlich die konkreten Moderations-Aufgaben?

Moderatoren unterstützen – wie eine Hebamme bei der Geburt
Walter Simon (2004), Wirtschaftstrainer- und Autor, zieht dazu einen interessanten Vergleich und erklärt, dass ein*e Moderator*in wie eine Hebamme die Geburt unterstützt, aber nicht selbst gebärt. Moderator*innen greifen also nicht inhaltlich in die Gruppenarbeit ein, sondern unterstützen vielmehr den kommunikativen Austausch durch Struktur und fördern dadurch die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung (vgl. Simon 2004; Seifert 2001; von Blanckenburg 2004). Dabei ist es essentiell, als Moderator*in objektiv zu bleiben und alle Diskussionspositionen einnehmen zu können. In diesem Zusammenhang, finde ich auch folgenden Satz aus einer der ersten Moderations-Werkstattsitzungen sehr wichtig: „Jede*r ist Experte für sich selbst!“. Dies bedeutet, dass die persönlichen Meinungen der anderen nicht kritisiert werden sollten, weder von Gruppenmitgliedern und schon gar nicht von dem/der Moderator*in. Ich verbinde diesen Ansatz auch gerne mit Dr. Christine von Blanckenburgs (Bereichsleiterin Bürgergesellschaft im nexus Instititut) Gedanken, dass die Gruppe für sich selbst verantwortlich ist. Es ist also nicht die alleinige Aufgabe des Moderators/der Moderatorin, die Gruppe voranzubringen, da jedes Teammitglied mitverantwortlich ist. Schließlich ist jeder Experte für sich selbst, sollte dieses Wissen einbringen und mit der Gruppe teilen. Dennoch ist der/die Moderator*in dafür verantwortlich, die verschiedenen Teilnehmerbedürfnisse durch eine strukturierte Anleitung in Einklang zu bringen. Weitere Moderationsaufgaben beschreiben Karin Klebert et al. (2002) mit den 12 Regeln der Moderation. Für mich sind dabei folgende Regeln besonders wichtig:

  1. „Fragen statt sagen“, da die richtigen Fragen den Kommunikationsprozess in Gang setzen und so Türen geöffnet und Blockaden weggeräumt werden;
  2. „Störungen haben Vorrang“, da körperliche oder psychische Störungen (wie Ärger oder Trauer) eine Lern- und Kommunikationsbarriere darstellen und Problemlösungen verhindern oder verfälschen.

Meine Erfahrungen als Hebamme
Die Moderations-Werkstatt war sehr hilfreich, um mich der Herausforderung „Gruppen- Moderation“ zu stellen. Dadurch habe ich sowohl einen Einblick in die Techniken, als auch Inspirationen erhalten, um mich angemessen als Moderatorin vorzubereiten. Vor allem der Moderationsplan, in dem ich die Agenda Punkte, den Zeitrahmen, die passenden Techniken und benötigten Materialen aufliste, hat sich für mich für eine effiziente Sitzungsstruktur bewährt. Darüber hinaus finde ich es sehr hilfreich, im Team zu moderieren, um so den 12 Regeln der Moderation gerecht zu werden und die Aufgaben wie z.B. der Diskussionsführung, Fragenstellung und Gruppenbeobachtung besser auszuüben (vgl. Seifert 2001, Klebert et al. 2002).

Außerdem gefällt mir die Anwendung von Kreativtechniken zur Ideenfindung besonders gut. Neulich habe ich beispielsweise die Reizbild Methode angewandt, um Ideen für einen Gruppenausflug zu sammeln. Bei dieser Methode werden mit Hilfe von Assoziation zu einem Bild, das häufig gar keinen Bezug zu der Frage oder Problemstellung hat, neue Ansätze und Zugänge gefunden. Mit dem Reizbild „Sonnenschirm“ haben wir so vielfältige Ideen gesammelt, sodass nun die bereits die Planung für den Ausflug läuft.

Herausforderungen für Moderatoren als Gruppenmitglieder
Eine Besonderheit für Moderator*innen innerhalb einer Gruppe, ist die inhaltliche Distanz und Objektivität. In vielen Lehrbüchern sind Moderator*innen gruppenextern, z.B. als Berater*in oder Workshopleiter*in. In unserem Fall sind die Moderator*innen allerdings Teil der Gruppe, weshalb es in dieser Rolle häufig schwierig ist, sich inhaltlich aus den Diskussionen heraus zu halten. So ist es besonders wichtig, bei einem inhaltlichen Beitrag darauf hinzuweisen, dass der*diejenige für den Beitrag aus der Rolle der Moderator*in kurz zurücktritt. Eine weitere Schwierigkeit stellt nach meinen Erfahrungen die Wahrung der Objektivität dar. Denn für mich besteht die Herausforderung darin, trotz meiner inhaltlichen und emotionalen Beteiligung, alle Meinungen anzunehmen und den Diskussionsteilnehmer*innen gerecht zu werden. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass ich diese Fähigkeiten mit der Zeit noch verbessern werde.

 

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Reizbild „Sonnenschirm“ und die Ergebnisse

So freue ich mich auf die kommenden Gelegenheiten, meine Moderationsfähigkeiten weiter auszubauen und bin gespannt darauf, dieses Wissen im kommenden Semester mit zusätzlichen Praxispartnern anzuwenden.

Kurz gesagt…
Im Zuge der Gruppenarbeit der letzten Monate und durch die Moderations-Werkstatt ist mir einmal mehr bewusstgeworden, dass es bei Gruppenarbeiten, sei es inter- oder transdisziplinär, eben nicht nur um Inhalt, sondern vor allem um das Miteinander geht. Ich kann mir vorstellen, dass in vielen Gruppenprojekten diesem zu wenig Beachtung geschenkt wird. Dabei kann man schon mit nur ein paar simplen Werkzeugen, wie z.B. mit den richtigen Fragen, den Prozess vereinfachen und die Arbeit unterstützen. So wie die Hebamme die Geburt.

Quellen:

  1. Bergmann, Matthias et al. 2010. Methoden transdisziplinärer Forschung. Ein Überblick mit Andwendungsbeispielen. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main.
  2. von Blanckenburg, C. 2005. Leitfaden für interdisziplinäre Forschergruppen: Projekte initiieren – Zusammenarbeit gestalten. Stuttgart.
  3. Defila, R., Di Guilio, A. & Scheuermann, M. 2006. Forschungsverbundmanagement : Handbuch für die Gestaltung inter- und transdisziplinärer Projekte. Hochschulverlag AG an der ETH Zürich. Zürich.
  4. Klebert, K. , Schrader, E. & Straub, W.G. 2002. Das Standardwerk. Windmühle GmbH. Hamburg.
  5. Rabelt, V. et al. 2007. Neue Wege in der Forschungspraxis : Begleitinstrumente in der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung. Oekom Verlag. München.
  6. Seifert, J. W. 2001. Präsentieren. Moderieren. GABAL Verlag GmbH, Offenbach.
  7. Simon, W. 2004. GABALs großer Methodenkoffer. Grundlagen der Kommunikation. GABAL Verlag GmbH, Offenbach.

Reflections on the role of environmental psychology in transitions towards sustainability

Author: Kathleen Klaniecki

 Earlier this month, I attended a wonderful conference on environmental psychology (ICEP 2017) in A Coruña, Spain.  This year’s theme was Theories of Change in Sustainability Transitions and Social Innovation.  As someone who straddles multiple disciplines in her research (as many of us do), this conference left me reflecting on current interactions between environmental psychology and sustainability science and how researchers in these disciplines can further collaborative for sustainability transformation.

Katie

In the Leverage Points project, we’ve had many conversations about shallow vs. deep leverage points: interventions at shallow leverage points often lead to little systemic change whereas interventions at deep leverage points have more transformational potential. But when talking about the role of environmental psychology in sustainability transformation, should we acknowledge and encourage further research on seemingly shallow leverage points?

At first glance, environmental psychology interventions are primarily focused on understanding and describing shallow leverage points. The abstract book of ICEP 2017 (and other conferences of this nature) is filled with research on car purchasing decisions, household food waste, energy-efficient appliance adoption, and public perceptions of climate change. These studies provide fascinating insights into specific behaviors and attitudes, which may lead to more targeted conservation campaigns, better marketing of ‘green’ products, and policy incentives that address accurate barriers to change. That being said, on their own these studies contribute little to our understanding of how to deeply transform systems, as they are often place-specific, small-scale interventions.

However, I’ve been thinking that this type of research is crucial for broadening our understanding of deep leverage points. One deep leverage point that is discussed in our work is interventions that target underpinning values, norms, goals, and worldviews of a system. Deeply changing unsustainable systems thus requires research on these constructs, which are the cornerstones of environmental psychology research. Only when we are equipped with a multiple-level understanding of each dimensions of each construct can they effectively be levered for sustainability transformation. And who are the best people to do that? Environmental psychologists!

I see the interplay of these two disciplines as a bit of a feedback loop. As an example, let’s look at car use. Environmental psychologists uncover the underpinning values, norms and attitudes that shape car-use behaviors. Used as a shallow leverage point, these findings could contribute to the creation of subsidies or incentives to buy electric vehicles. We know these subsides play a role in prompting behavioral change and reducing the environmental impact of some users transportation behaviors, but these types of interventions support the status quo and do little to change overarching unsustainable transportation systems. However, if sustainability scientists collaborate with environmental psychologists to uncover trends and patterns across communities and societies this data can play a crucial role in identifying deep leverage points. In this way, research on shallow leverage points can inform and guide us towards more effective and efficient systemic changes towards sustainability.

In the end, I think our research will be enhanced by recognizing contributions from research on shallow leverage points. Only through this research will we gather enough information on psychological constructs for them to be levered for sustainable change. Here are a few ways that I think we can get there:

  • Strive for more representative samples. This was a key takeaway message from ICEP 2017. We need to stop relying on convenience samples for our research, because these often support our own viewpoints and fall to include a diversity of viewpoints. More representative samples will reveal more about underlying attitudes and values and barriers to behavioral change.
  • Increase scope of research. Since our environmental problems require greater behavioral shifts than simply changing a light bulb, we should continue to support and encourage research that takes a more systemic perspective for understanding how norms, values, and beliefs affect environmental behaviors.
  • Strive for greater interdisciplinary collaboration. My reflections on this conference and the reflections from colleagues who have attended other conferences this year speaks to the need to further advocate, strive, and push interdisciplinary collaboration. This highlights the need to further integrate leverage points thinking across disciplines.