Der persönliche Austausch als Schlüssel zum Erfolg

Wie der Wissenstransfer im Rahmen von transdisziplinären Projekten von der Face-to-Face Kommunikation abhängt

Von Melina Otto

This blogpost is part of a transdisciplinary student project in the region of Oldenburg taught by Moritz Engbers, Ulli Vilsmaier & Maraja Riechers

Dieser Blogpost ist Teil des Studentenprojektes Transdisziplinäres Projekt: Landkreis Oldenburg im Master Nachhaltigkeit. Lehrende: Moritz Engbers, Ulli Vilsmaier & Maraja Riechers

„Transdisziplinäre Forschung zielt in ihrem Kern auf die Legitimation und Etablierung neuer Wissensformen, und zwar solcher, die durch soziale Prozesse zustande kommen.“ (Hanschitz et al. 2009)

 Die Entwicklung von Lösungen im Sinne der Nachhaltigkeit erfordert oftmals das Zusammenwirken von Akteuren mit verschiedenen fachlichen und kulturellen Hintergründen. In dem Kontext spielen solche transdisziplinären Prozesse eine wichtige Rolle für einen nachhaltigen Projekterfolg. Im Kern dienen transdisziplinäre Projekte dafür, einen wissensbasierten Austausch zwischen Akteuren aus der Praxis und Wissenschaft zu liefern und somit einen Wissenstransfer bzw. eine Wissensintegration zu ermöglichen.

Grafik 1

Abbildung 1: Der Übergang vom segmentierten Wissen zum transdisziplinären bzw. „robustem Wissen“ (Quelle: Hanschitz et al. 2009)

Dabei zielt transdisziplinäre Forschung eher weniger oder fast gar nicht auf die Generierung von Wissen der „harten Wissenschaften“ ab, sondern eher auf ein „nicht-wissenschaftliches Wissen“ oder „robustes Wissen“ sprich auf „soft skills“. Es geht eher darum, die Beziehungen zwischen den Akteuren zu fördern und dies auf eine persönliche Art und Weise. Dafür benötigen wir jedoch Methoden um miteinander kommunizieren zu können und den Austausch von Wissen zwischen verschiedenen Akteursgruppen aus unterschiedlichen Wissenssystemen zu ermöglichen. Hierfür eignen sich insbesondere die Förderung des persönlichen Austauschs, der Aufbau von Vertrauen und Glaubwürdigkeit sowie informelle Treffen und Netzwerke zwischen Akteuren.

Warum der persönliche Kontakt so wichtig ist

Bisheriger Austausch mit den Akteuren vor Ort in der Wildeshauser Geest

Genau diesen persönlichen Austausch zwischen verschiedenen Akteuren in dem Naturpark Wildeshauser Geest wollen wir als Teil der Studierenden der Forschungsgruppe „Fallstudie Oldenburg“ mit unserem transdisziplinären Projekt ermöglichen, um dadurch neues transdisziplinäres Wissen zu generieren. Innerhalb der Fallstudie Oldenburg konzentrieren wir uns als Projektgruppe auf das Verhältnis zwischen Tourismus und Naturschutz in dem Naturpark Wildeshauser Geest und möchten insbesondere durch unser transdisziplinäres Projekt herausfinden, inwieweit der Tourismus im Naturpark Wildeshauser Geest zu einer Nachhaltigkeitstransformation beitragen kann (Der Arbeitsprozess des TD (Teil)-projekts “Antreiben”). Hierbei soll untersucht werden, welchen Anspruch der nachhaltige Tourismus an den Naturpark stellt, aber auch welche Form von nachhaltigem Tourismus im Rahmen des Naturparks realisiert werden kann.

Bei der Vorgehensweise in unserem Projekt wurde uns schnell klar, dass der persönliche Austausch zwischen Akteuren der Schlüssel zum Erfolg ist, um neues Wissen zu generieren. Insbesondere bei der Findung unserer Forschungsfrage und der Erkennung des „Problems“ in der Wildeshauser Geest hat uns der persönliche Austausch mit verschiedenen Akteuren in unserem ersten Forschungssemester sehr geholfen. Für uns als studentische Gruppe war es zunächst wichtig, innerhalb der Feldphase, die Mitte Juni 2017 stattgefunden hat, den Naturpark Wildeshauser Geest und verschiedene Akteure, insbesondere den Zweckverband Wildeshauser Geest, der Träger des Naturparks und unser Projektpartner ist, kennenzulernen. Teil der Feldphase waren verschiedene Gesprächsrunden mit ganz verschiedenen Akteuren aus der Region, in denen sich über potentielle Nachhaltigkeitsprobleme, theoretische Ansätze sowie praktische Umsetzungen ausgetauscht wurde. Dieser erste persönliche Kontakt war sehr wichtig für die Projektgruppe, um die Region und die in der Region agierenden Akteure kennenzulernen. Insbesondere konnte aber auch durch die gemeinsame Feldphase der Gruppe das Gruppengefühl, durch das gemeinsame Erleben und Reflektieren, gestärkt werden. Das erste Kennenlerngespräch mit der Geschäftsführerin des Zweckverbands Wildeshauser Geest half uns sehr, sich zunächst gegenseitig kennenzulernen und Vertrauen gegenüber einander aufzubauen.  Um zusammen innerhalb des Projektes arbeiten zu können, bedarf es darüber hinaus eines wertschätzenden Entgegenkommens, das insbesondere Voraussetzung für eine vertrauensvolle Basis ist. Denn transdisziplinäre Prozesse können erst dann gelingen, wenn wir einzelne bereit sind, einander verstehen zu lernen.

Nachdem es im ersten Gespräch erstmal darum ging, sich kennenzulernen, fand ein zweites Gespräch mit dem Zweckverbands Wildeshauser Geest, Mitte August statt, dessen Ziel es war, Zugang zu dem individuellen Wissen herzustellen und zugleich Wissen für uns zu generieren, welches wir vorher durch unsere Recherche nicht erlangen konnten. Mit Hilfe der beiden Gespräche konnten wir herausfinden, was die zentralen Probleme im Naturpark Wildeshauser Geest sind, welche Rolle der Naturpark innehat und mit welchen Anforderungen der Naturpark von außen konfrontiert wird. Darüber hinaus fanden wir heraus, welche Rolle ein nachhaltiger Tourismus in der Region spielt. Beide persönlichen Gespräche dienten vor allem dem gemeinsamen Problemverständnis und der Findung der Fragestellung, die wir versuchen möchten im kommenden Semester zu beantworten. Mithilfe der persönlichen Gespräche konnten wir auch klären, was von uns in Bezug auf das transdisziplinäre Projekt erwartet wird und was wir uns in Gegenzug von dem transdisziplinären Projekt erhoffen. Dieser Verständigungsprozess ist notwendig, um die eigenen Bedürfnis- und Interessenebenen und die der anderen Akteure miteinzubeziehen.

Ausblick: Persönliche Interviews und Workshops mit den Akteuren vor Ort in der Wildeshauser Geest

Im kommenden Semester soll insbesondere durch persönliche Interviews herausgefunden werden, welche Erwartungshaltungen die Tourismusakteure in der Wildeshauser Geest an den Zweckverband Wildeshauser Geest stellen. Dabei soll auf die Fragen eingegangen werden, was die Tourismusakteure vom Naturpark Wildeshauser Geest erwarten, ob es Wünsche oder Konflikte gibt und wie man diese Konflikte lösen kann, um einen guten Nutzen für alle Akteure zu erzielen. Durch die persönlichen Interviews soll Zugang zu weiteren Akteuren erhalten werden. Als weitere Möglichkeit eignen sich Workshops, um den persönlichen Austausch zwischen den verschiedenen Akteursgruppen zu ermöglichen.

Fazit

Um komplexe Fragestellungen zu beantworten ist Wissen aus der Wissenschaft und aus der Praxis nötig, um verschiedene Zusammenhänge zu verstehen. Das wissenschaftliche Wissen ist dabei nicht auf die Praxis zugeschnitten, ferner muss es im Austausch mit der Praxis generiert werden, um bestimmte Probleme zu lösen. Insgesamt geht es also darum in transdisziplinären Projekten, den Austausch von verschiedenen Akteuren aus der Wissenschaft und Praxis zu ermöglichen und somit unterschiedliche Wissens- und Wertesysteme zu fördern. Das Beispiel unserer Projektgruppe hat gezeigt, dass der persönliche Austausch wichtig ist, um neues Wissen zu generieren. Insbesondere war der persönliche Austausch zu Beginn des Projekts erstmal wichtig, um gemeinsame Ziele zu definieren, eine gleiche Problemdefinition zu finden und eine gemeinsame Forschungsfrage zu entwickeln. Insbesondere erhoffen wir uns durch die persönlichen Interviews und Workshops im kommenden Semester, weiteres transdisziplinäres Wissen zu erlangen.

 

Quellen:

  1. Bergmann, Matthias et al. (2010): Methoden transdisziplinärer Forschung. EinÜberblick mit Anwendungsbeispielen. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main.
  2. Bruhn, Thomas (2014): Empathiefähigkeit und Vertrauen als Schlüssel in transdisziplinären Prozessen. Integrale Perspektiven 27/2, S. 30-33.
  3. Fry, Patricia et al. (2008): Von implizitem Know-how zu expliziten Themen: inter- und transdisziplinärer Wissensaustausch. GAIA 17/3, S. 318–320.
  4. Hanschitz, Rudolf-Christian et al. (2009): Transdisziplinarität in Forschung und Praxis. Chancen und Risiken partizipatorischer Prozesse. VS Verlag für Sozialwissenschaften, GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden.
  5. Lang, Daniel J. et al. (2012). Transdisciplinary research in sustainability science: practice, principles, and challenges. Sustainability science, 7(1), 25-43.

 

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