12 Studierende. 11 Wochen. 10 Sitzungen.

Team Nähren – Ein Zwischenstand

von Kira Cieslewicz

This blogpost is part of a transdisciplinary student project in the region of Oldenburg taught by Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, and Dr. Maraja Riechers.

Dieser Blogpost ist Teil des Studentenprojektes Transdisziplinäres Projekt: Landkreis Oldenburg im Master Nachhaltigkeit. Lehrende: Moritz Engbers, Prof. Ulli Vilsmaier, Dr. Maraja Riechers.

12 Studierende. 11 Wochen. 10 Sitzungen. Das sind die Eckdaten des Forschungsprozesses unseres Teams, Team Nähren. Wir Masterstudenten der Leuphana Universität Lüneburg arbeiten zusammen mit Team Antreiben an einem Transdisziplinären Forschungsprojekt (kurz: TD Projekt, Abbildung 1: blau) im Landkreis Oldenburg. Transdisziplinarität bedeutet, dass Akteure aus Wissenschaft und Praxis gemeinsam an der Lösung eines gesellschaftlichen Problems arbeiten. Unser TD Projekt ist Teil der Fallstudie Landkreis Oldenburg, die von dem Leuphana Projekt Leverage Points for Sustainability Transformation (übersetzt: Hebel für eine nachhaltige Entwicklung, Abbildung 1: pink) bearbeitet wird. Zusammen mit dem Artecology e.V. wurde dafür die Leitfrage: „Wie können (Bio)Diversitätskorridore im Landkreis Oldenburg ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Leben nähren, fördern und antreiben?“ entwickelt und war damit Namensgeber für unsere beiden Teams Nähren und Antreiben.

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Abbildung 1: Einordnung unseres TD-Projekts in den Gesamtkontext (eigene Darstellung)

Innerhalb dieses Gesamtkontexts liegt der Fokus unserer Arbeit auf dem Naturpark Wildeshauser Geest, ein weiterer wichtiger Akteur aus der Region. Hierbei lautet unsere Leitfrage: „Inwieweit können Naturparks Hebel für eine nachhaltige Entwicklung sein?” Ziel ist es, im Rahmen dieser Leitfrage und mit dem Fokus auf den Begriff „Nähren” eigenständig mit den Akteuren vor Ort eine Forschungsfrage zu entwickeln, deren Beantwortung zu einer nachhaltigen Entwicklung der Region Oldenburg beiträgt. Das beginnt bei der Frage „Was bedeutet eigentlich ‘nähren’?“, geht über Aktionen mit den beteiligten Menschen vor Ort, hin zu der Übergabe einer sogenannten „Handreichung“ bzw. „Anleitung“ an die Region, wie sich unsere Ideen für eine nachhaltige Entwicklung vor Ort umsetzen lassen.

Unser TD Projekt erstreckt sich über ein Jahr und wir befinden uns noch weit am Anfang des Forschungsprozesses, bzw. in Phase A. Phase A bedeutet, dass wir noch den Rahmen bauen, in welchem wir später arbeiten. Dazu gehört Recherche zu der Region, Theoriegrundlagen und die Entwicklung unseres Forschungsteams.

1. Teamentwicklungsprozess: Rollen, Motivation und Erwartungen

Schon in unserer ersten Sitzung stellten wir fest, wie interdisziplinär (d.h. aus unterschiedlichen Disziplinen) unser Team aufgestellt ist. Bevor wir also inhaltlich begannen an unserem Projekt zu arbeiten, konzentrierten wir uns zunächst darauf, uns als Team zu finden.

Als ersten Schritt in der Teambildung beschäftigten wir uns mit den von Meredith Belbin definierten Persönlichkeitsrollen. Die Belbin-Rollen helfen, einen Eindruck über die Stärken und Schwächen der anderen zu bekommen und die Vielfalt im Team zu erfassen. Dafür hat jeder für sich überlegt: welcher Rolle würde man sich aktuell zuordnen (Ist-Zustand) und welche Rolle möchte man in Zukunft gerne einnehmen (Wunsch-Zustand).
Ein Beispiel: Eine Person sieht sich eher als Macher. Jemand, der das Team stetig antreibt und sich gegen Ineffizienz wehrt. Die gleiche Person hat aber als Wunsch-Rolle angegeben, auch ein Erfinder sein zu wollen, um mit neuen, fantasiereichen Ideen das Projekt voran zu bringen.
So hat sich herausgestellt, dass die meisten im Team Nähren sich als Umsetzer, Macher oder Koordinator sehen. Damit sind wir ein Team mit vielen starken Charakteren, die sehr handlungs- und kommunikationsorientiert sind.

Außerdem beschäftigten wir uns mit Fragen der Erwartung, Motivation und damit zusammenhängend auch dem Zeitaufwand. Ein Großteil der Gruppe hat besonders Erwartungen an eine persönliche Weiterentwicklung im Bereich Sozialkompetenzen (z.B. Teamarbeit) und daran, einen Mehrwehrt für die Region zu schaffen. Die Bereitschaft, Zeit in das Projekt zu investieren, reichte von „mehr als 10 Stunden die Woche“ bis zu „keine Projektarbeit in den Semesterferien“. Einigkeit gab es bei der Motivation. So sehen alle klare Aufgabenverteilung sowie ein ausgeglichenes Engagement als Voraussetzung, um motiviert arbeiten zu können. Auch stellten wir fest, dass je mehr wir bevormundet und angeleitet wurden, desto weniger Verantwortungsbewusstsein für unser eigenes Projekt in der Gruppe vorhanden war.

Zusammenfassend lässt sich zu Teamentwicklung sagen, dass das Team Nähren inzwischen ein gutes Gemeinschaftsgefühl hat, wir reflektiert miteinander umgehen und Rücksicht auf die unterschiedlichen zeitlichen und methodischen Möglichkeiten jedes Einzelnen nehmen.

2. Inhaltliche Entwicklung: Recherche, Theorie und Visualisierung „Wolkenwippe“

Als nächsten inhaltlichen Schritt begannen wir mit der tiefergehenden Recherche über die Region. Wir wählten vier Quellen aus, die wir nach Problemen, welche die Region beschäftigen und nach für uns möglichen Anknüpfungspunkten durchsuchten:

  • Regionales Entwicklungskonzept Wildeshauser Geest
    (Leitbild und Visionen für die Entwicklung der Wildeshauser Geest in Zukunft)Regionales Raumordnungsprogramm Landkreis Oldenburg
    (Entwicklung des Landkreises besonders im Bereich Landwirtschaft, Flächenvergabe)
  • Qualitätsoffensive-Naturpark
    (Auszeichnung für die Selbsteinschätzung und Verbesserung der Arbeit von Naturparks)
  • artecology_network e.V.
    (Verein, der sich mit Kunst und Kultur im Landschaftsraum beschäftigt)

Zwischen den gesammelten Begriffen (z.B. Image der Bauern, Marktförderung etc.) suchten wir nach Überschneidungen. Diese fassten wir dann unter den drei übergeordneten Themen Mensch-Natur-Beziehung, Land-leben und regionale Entwicklung zusammen. Wir visualisierten diese dann in einer Grafik durch drei miteinander verzahnte Wolken.

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Abbildung 2: Wolkenwippe (eigene Darstellung)

Als nächstes galt es, die herausgearbeiteten Punkte mit der Theorie der Leverage Points in Verbindung zu bringen. Leverage Point bedeutet übersetzt „Hebel“. Das bedeutet, wenn man einen Leverage Point verändert, ändert man die Gesamtausrichtung eines Systems (in diesem Fall einer Region) in Richtung Nachhaltigkeit. In der Grafik ist dies durch die blaue Wippe ganz unten dargestellt. Also: Welche Themen aus den Wolken haben das Potential die rechte Seite der Wippe nach unten zu drücken, also zu einer nachhaltigen Entwicklung der Region beizutragen? Und wo auf der Wippe üben sie Druck aus, also wie stark kann z.B. eine Änderung im Image der Landwirtschaft die Region verändern? Und welche Werkzeuge kann man dafür nutzen? Hier entschieden wir uns für Koordination, Bildung und Allianzen. Da wir noch nicht wissen, wie stark diese auf eine Entwicklung der Region Einfluss nehmen können, sind erstmal noch Fragezeichen unter den Pfeilen. Die Ansicht wurde im weiteren Verlauf mit Punkten von Team Antreiben ergänzt (grau). Die Wolkenwippe diente uns auch zur Vorbereitung auf die Feldphase.

3. Feldphase: Von der Theorie in die Praxis

Vom 13. bis 15. Juni ging es dann das erste Mal für einige von uns in die Region. Dort trafen wir uns mit unterschiedlichsten Akteuren wie dem Zweckverband Wildeshauser Geest und Künstler des Künstlernetzwerks ArtEcology sowie besichtigten den Naturpark Wildeshauser Geest. Für unsere weitere Projetarbeit war besonders das Gespräch mit dem Naturpark Wildeshauser Geest erkenntnisreich. Zwei Probleme traten besonders hervor:

  1. Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Fokus (Tourismusregion) und Naturschutz
  2. Und damit verbunden der Konflikt mit der Identität
    1. Selbstverständnis des Naturparks
    2. Mangelnde Identifikation der Menschen vor Ort mit dem Naturpark/Region

Daraus entwickelte sich für uns eine potentielle Zusammenarbeit in der Stärkung der regionalen Identität und eine Stärkung der Akzeptanz des Naturparks in der Region.

4. Zwischenstand: Identifikation als Schlüssel

So gelangten wir zu unserem aktuellen Zwischenstand. Wir sehen Identifikation als das Problem in der Region Oldenburg, dass wir mit unserem Forschungsprojekt angehen wollen. Wir denken, ohne die Identifikation der Bevölkerung mit dem Naturpark Wildeshauser Geest wird dessen Einsatz als Hebel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Um es auf Abbildung 2 zu übertragen, bedeutet dies: Damit der Naturpark Wildeshauser Geest Druck auf die rechte Seite der Wippe ausüben kann und die Region auf der linken Seite weiter in Richtung Nachhaltigkeit bringt, muss erst die Identifikation der Bevölkerung mit dem Naturpark verbessert werden. Im weiteren Verlauf wollen wir dafür den Begriff „regionale Identifikation“ definieren und erörtern, wie sich die Bevölkerung aktuell mit dem Naturpark Wildeshauser Geest identifiziert.

Quellen:

  • Dressler, G., Berger, W., Heimerl, K., Winiwarter, V. (Hg.) (2014): Interdisziplinär und transdisziplinär forschen – Praktiken und Methoden. Bielefeld.
  • Lang, D.J., Wiek, A., Bergmann, M. et al. (2012): Transdisciplinary research in sustainability science: practice, principles, and challenges. Sustain Sci 7(1): 25-28.
  • Belbin, R.M. (1981): Management Teams: Why They Succeed or Fail. London.
  • Meadows, D. (1999): Leverage Points: Places to Intervene in a System. The Sustainability Institute

Weitere Quellen:

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